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Einzige Fachzeitschrift für Industrie-, Gewerbe-, Klimakälte und Wärmepumpen

Vier Jahre stand die Energieeffizienz von Kälte- und Klimaanlagen im Fokus. In dieser Zeit wurden Fachleute und Endkunden für die Optimierung und den energieeffizienten Neubau von Kälte- und Klimaanlagen sensibilisiert. Gleichzeitig haben mehr als 500 Kältefachleute die angebotenen Weiterbildungen in allen Sprachregionen der Schweiz besucht.

Am 29. November 2018 zog die Kampagne effiziente Kälte im Data Center Biel Bilanz. Nach vielen Jahren der engen Zusammenarbeit von Kältebranche – und besonders auch der zahlreichen Sponsoren der Kälte-Kampagne –, vom Schweizerischen Verband für Kältetechnik und dem Bundesamt für Energie, wurde ein Blick auf das Erreichte sowie auf kommende Herausforderungen geworfen.  Und das unter höchsten Sicherheitsmassnahmen, denn in ein Data Center kann man nicht einfach reinspazieren. Jeder Teilnehmer musste sich im Vorfeld anmelden und beim Eintritt ins Gebäude musste man sich erneut ausweisen. Sicherheit über alles.

Energiestrategie 2050: Auf dem Weg

Daniel Büchel, Vizedirektor des Bundesamts für Energie BFE zeigte die Veränderungen beim Energieverbrauch seit 1980 auf. Der Anteil der fossilen Energien in der Schweiz soll künftig stark gesenkt werden. Das BFE geht davon aus, dass in den Sektoren Mobilität (Elektroautos) und Gebäude (Wärmepumpen, Kältemaschinen) der Strombedarf steigen wird. Gleichzeitig sollen die Kernkraftwerke abgeschaltet werden. Erfreulich ist, dass die Stromgestehungskosten für Photovoltaik- und Windanlagen in den letzten Jahren so stark gesunken sind. Die effizientesten Anlagen produzieren bereits heute den Strom zu weniger als 2 Rp./kWh. Auch wird sich künftig der Tagesverlauf der Strompreise weiter verschieben. Im Jahr 2006 dominierte noch die Mittagsspitze den Preis. Heute ist die Kurve abgeflacht, was besonders für die Speicherkraftwerke problematisch ist. Für 2030 werden eine Morgen- und eine Abendspitze prognostiziert.

«Der Bedarf an aktiver Kühlung dürfte weiter zunehmen, deshalb braucht es energieeffiziente Kältelösungen.» Daniel Büchel

Kühllastbedarf minimieren

Die Kälteanwendungen mit einem Anteil von 14 Prozent (oder 8000 GWh) am Gesamtstrombedarf der Schweiz sind wichtige Anwendungen. Dabei gilt es, künftig den Kühllastbedarf zu minimieren und gleichzeitig mit effizienten Lösungen die Kälte für diejenigen Anwendungen bereitzustellen, welche unerlässlich sind. Der dafür notwendige Strom soll am besten mit solarer Stromerzeugung produziert werden. Daniel Büchel zeigt auch auf, dass mit dem Abschluss der Kampagne effiziente Kälte das Thema für EnergieSchweiz nicht abgeschlossen ist. Das BFE möchte diesen wichtigen Bereich weiterführen und die Plattform Effiziente Kälte aktiv pflegen. Der Bedarf an aktiver Kühlung dürfte weiter zunehmen, deshalb braucht es energieeffiziente Kältelösungen. 

Herausforderung – neue erneuerbare Energien

Büchel thematisierte auch neue erneuerbare Energien und deren Einfluss auf die bestehende Netzwerk-Infrastruktur.  Er nannte Überlastung durch nicht vorhersehbare Lastsprünge, Rückgang der regelbaren Kraftwerksleistung und die zunehmende Entkoppelung von Erzeugung und Verbrauch.

Das Netz ist bereits stark ausgelastet: Bei 24 Prozent der Messungen, die 2013 durchgeführt wurden, war das Netz über das Sicherheitslimit belastet. Die bestehende Netzinfrastruktur ist teilweise am Ende des Lebenszyklus angelangt. Eine Herausforderung besteht in der kostenoptimierten Bewirtschaftung der Anlagen und Netzkomponenten. Hinzu kommen mangelnde gesellschaftliche Akzeptanz bei Bauvorhaben (Netz- und Kraftwerksbau) sowie ICT und Smart Grids: Die Möglichkeiten sind «unbegrenzt», aber schwierig voraussehbar.

Vorstellung und Besichtigung Data Center Biel AG

Heinrich Esseiva von Swegon gab – zusammen mit Stephan Boss, Data Center Manager Standort Biel – einen interessanten Einblick in die Welt der «Klimatisierung» von Daten. Wer solch hochverfügbare Rechenzentren für Kunden betreibt, muss nicht nur die neusten IT- und Netzwerktechnologien gekonnt und gezielt einsetzen, sondern auch die Kältetechnik perfekt beherrschen können. Die exklusive Besichtigung des Data Centers zeigte eindrücklich auf, was es braucht, damit ein Data Center die höchsten Sicherheits- und Energieeffizienz-Standards erfüllt. Und damit einen aktiven Beitrag leistet, damit die Schweiz von einer starken und gleichzeitig nachhaltig betriebenen Dateninfrastruktur für den digitalen Wandel profitieren kann. Dass über die Anlage weder berichtet noch Bilder gemacht werden dürfen, ist Teil des ausgeklügelten Sicherheitsdispositivs, welches den Kunden garantiert werden muss. Aber dadurch kamen die anwesenden Kältefachleute zu einem einmaligen und spannenden Aufenthalt in den Katakomben des Data Center Biel.

«Der Wandel in der ­Energiewirtschaft wird ­stattfinden… Mit oder ohne Energie­strategie 2050.»

Bilanz der Kampagne

Mit einer kurzen Bilanz umriss Thomas Lang die wichtigsten Etappen und Arbeiten der Kampagne Effiziente Kälte der letzten vier Jahre. Der Fokus der Arbeiten lag einerseits in der Befähigung der Kältefachleute. Dazu wurden in allen drei Landesteilen die Kältefachleute geschult. Andererseits wurden die Kunden mit zwei Inserataktionen und Fachartikeln bezüglich des Themas Energieeffizienz bei den Kälteanlagen sensibilisiert. 

Abschluss und Dank

SVK-Präsident Kurt Götz dankte dem BFE und allen Sponsoren für ihr Engagement für die Kampagne Effiziente Kälte. Er bedankte sich weiter bei Stephan Boss und seinen Mitarbeitenden vom Data Center Biel AG für das Gastrecht und für die spannende Führung durch das Data Center. Anschliessend wurden alle Teilnehmenden zu einem gemeinsamen Lunch in der Tissot-Arena eingeladen.

Data Center Biel

Das Rechenzentrum bietet auf der gesamten Nutzfläche von 3000 m2 eine redundant ausgelegt Stromversorgung, Glasfaseranbindung sowie Kühlsysteme und Klimatisierung. Dazu werden für High Performance Computing Energiedichten von 15 bis 20 kW pro Rack bereitgestellt. Zum Vergleich: In einem herkömmlichen Rechenzentrum sind 2kW pro Rack üblich. Auf diese Weise kann sehr viel Fläche eingespart werden, was in der Schweiz besonders wichtig ist. Die sehr hohe Energieeffizienz resultiert aus einer Kombination von Präzisionskühlung, neuartiger unterbrechungsfreier Stromversorgung (USV) sowie systematischem Energiemanagement. (Quelle: IT Reseller)