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Einzige Fachzeitschrift für Industrie-, Gewerbe-, Klimakälte und Wärmepumpen

Werner Kuster und Charles Hasler sind zwei grosse Namen und vom Schweizer Kälte- und Klimamarkt nicht wegzudenken. Die Branche ist durch verschiedenste externe Einflüsse gefordert und braucht starke Partner, um die täglichen Herausforderungen kompetent meistern zu können. Die beiden Firmen sind vorbereitet und haben einiges zu bieten.

«Friscaldo» wollte mehr wissen und sprach in Frenkendorf mit dem Geschäftsführer André Meyer und dem Leiter Marketing und Geschäftsentwicklung Steffen Boczek über einige Themen, welche die Branche interessieren.

Im Zusammenhang der beiden Firmen Werner Kuster und Charles Hasler steht auch der Konzern Beijer Ref mit Sitz in Schweden, welcher die beiden Schweizer Grosshändler vor über 10 Jahren übernommen hat. Wie muss man sich Beijer Ref vorstellen?

Beijer Ref ist der grösste Kältegrosshändler in Europa und Marktführer in Australien und Neuseeland sowie Südostasien und Afrika mit Hauptsitz in Malmö. Der Konzern ist mittlerweile über 150 Jahre alt und erwirtschaftet mit 2700 Mitarbeitern in 330 Filialen rund 1 Mrd. Euro Umsatz. Ein grosser Teil des Wachstums kam durch Akquisition, aber auch durch organisches Wachstum. Grundsätzlich gibt es sechs Fokusgebiete: Akquisition, OEM, Logistik, Einkauf, Digitalisierung und Corporate Social Responsibility (CSR). Letzteres kommt daher, dass Beijer Ref seit letztem Jahr ein Large Cap an der Swedish Stock Exchange ist, wo auch Faktoren wie Umwelt, Mitarbeiter, Business Ethics/Korruption und Verhaltenskodex für Zulieferer bewertet werden.

Entgegen einer häufigen Meinung der Branche blieben die beiden Firmen eigenständig und wurden nicht unter Beijer Ref Schweiz zusammengeführt. Durch einen Zusammenschluss könnten kostenintensive Doppelspurigkeiten, beispielsweise im administrativen Bereich oder in personeller Hinsicht, vermieden werden. Welches sind die wichtigsten Punkte für diese Entscheidung?

Unsere Wertschöpfungsprozesse werden in der Schweiz vollzogen.

Beijer Ref respektiert die länderspezifischen Unterschiede und Firmenkulturen. Hasler und Kuster sind längst etablierte Namen im Kältemarkt und stehen als einzige Schweizer Unternehmungen eben für Swiss Made. Die Wertschöpfungsprozesse werden in der Schweiz vollzogen. Wir operieren komplett autonom in Vertrieb, Marketing, Logistik, Administration, Finanzen und HR. Eine grosse Stärke sind die mehr als dreissig produktspezifischen Kältespezialisten, welche seit Jahren einen ausgezeichneten Ruf geniessen. Werner Kuster und Charles Hasler sind bekannt als Anbieter starker Brands und qualitativ hochstehender Eigenmarken. Wir pflegen eine offene Kommunikationskultur mit der Kundschaft. Preisänderungen werden beispielsweise frühzeitig angekündigt, was einen grösseren Handlungsspielraum ermöglicht. Eine Zusammenführung hätte unter dem Strich mehr Nachteile, vor allem für die Kunden.

Welche Vorteile bietet Ihnen die Beijer Ref Gruppe?

Die beiden Firmen können zahlreiche bedeutende Synergien in Einkauf und Logistik nutzen. Wir haben Zugriff auf das grösste Lager in Europa und mit einer effizienten Logistik sind die Produkte schnell für die Kunden verfügbar. Ende letzten Jahres wurde in Holland ein neues Logistik- und Trainings-center mit 9500 m² Lagerfläche und einem voll automatisierten Hochregallager und 2800 m² Bürofläche errichtet. Dazu gibt es Ausstellungsräume und Kundenschulungscenter. Dort haben auch wir die Möglichkeit, Schulungen wie auf SCM Frigo CO2 Booster für unsere Kunden durchzuführen.

Für die Bautätigkeit in der Schweiz rechnen Fachleute mit einem leichten Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Welches sind Ihre Erwartungen für 2018 und welches sind die wichtigsten Herausforderungen?

Kältemittel und Digitalisierung werden die Herausforderungen sein. Ebenso die Veränderungen in der Verwendung der Kältemittel und die sich erneuernde Technik, insbesondere in der Gewerbekälte und Klima. Wir sehen dies vor allem als Chance. Mit unserer Schwesterfirma SCM Frigo verfügen wir über einen Partner mit viel Erfahrung in CO2 und natürlichen Kältemitteln.

Wir investieren aktuell viel in neue IT-Systeme und Schnittstellenlösungen zu unseren Partnern, welche letztlich mehr Effizienz (tiefere Kosten bei höherer Qualität) und einen besseren Kundenservice bieten. Lagermanagement ist im Handel auch eine wichtige Kernkompetenz. Die Herausforderung ist es, das Richtige in der richtigen Menge im richtigen Moment auf Lager zu haben. Mit den Beijer Ref Lagern können wir Synergie optimal nutzen im Sinne von Lagerkosten und Kundennutzen.

Ein besondere Herausforderung in diesem Jahr sind sicher die Preise. Seit Monaten permanent stark kletternde Kältemittelpreise, Währungsbewegungen, verschiedene ansteigende Rohstoffpreise und steigende Logistikpreise durch immer mehr Stauzeiten. Beide Firmen sind jedoch bereits dank geeigneter internen Massnahmen darauf vorbereitet.

Die ständige Weiterentwicklung, zusammen mit den Herstellern, erfolgreicher Produkte und das Anpassen an die sich rasch verändernden Marktbedingungen gehören zu den Stärken von Werner Kuster und Charles Hasler. Auf welchen Punkten liegt der Fokus in den kommenden Monaten in den Bereichen Marketing und Geschäftsentwicklung.

Im Zentrum stehen beispielsweise Verkaufsförderungsmassnahmen von Topmarken wie Bock, Bitzer, Danfoss, Güntner oder Kelvion. Weiter stehen Weiterbildungsprogramme der Mitarbeiter zur Erlangung höherer Wissenskompetenz im Vordergrund. Kunden werden die Gelegenheit bekommen, Kundenschulungen an Standorten beider Firmen oder direkt in den Räumlichkeiten von Herstellern wie Carel, Bock oder Hitachi zu besuchen. Zudem sind weitere Schulungen für den Einsatz von CO2 als Kältemittel vorgesehen.

Unsere Werte: Engagiert, effizient, unkompliziert, partnerschaftlich und direkt.

Wir werden das Angebot der Komponenten für natürliche Kältemittel und HFO-Kältemittel erweitern. Diese Fluide weisen ein tiefes Treibhauspotential auf und sind somit klimafreundlicher als die früheren Generationen von synthetischen Kältemitteln. In diesem Bereich wollen wir unsere gute Position weiter ausbauen. Dazu gehört auch ein gezielter Ausbau von unseren beiden zertifizierten Werkstätten. Eine besondere Aufmerksamkeit gilt unseren Exklusiv-Marken wie beispielsweise Carrier, Hitachi Klimageräte, Luve, Kaimann, compact Kälteanlagen und Totaline, welche wir bevorzugt platzieren wollen.

Wie sehen Sie die Zukunft im Bereich Marketing?

Vor Kurzem haben wir unseren neuen Web Shop unter dem Motto «Cooler Shoppen» für unsere Kunden eingeführt. Dieser basiert auf einem komplett neuen PIM-System. Moderne PIM-Systeme sind der Lösungsansatz für ein zentrales Datenmanagement. Eine professionelle Mehrfachnutzung in Einkauf, Produktion und Kommunikation sichert Informationsprozesse und macht sie effizient – auch über mehrere IT-Systeme, Sprachen, Ausgabemedien und Publikationen hinweg. Mit unserem neuen PIM-System sind wir gut gerüstet und freuen uns auf zukünftige Aufgaben in der effizienten Gestaltung von Geschäftsabläufen mit unseren Kunden.