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Einzige Fachzeitschrift für Industrie-, Gewerbe-, Klimakälte und Wärmepumpen

Was vor zehn Jahren mit einer Workshop-Idee begann, ist heute das stabile Fundament nachhaltiger Kälteanlagen. Die Kampagne effiziente Kälte hat das Kältewissen gebündelt und das Bewusstsein für ressourcenschonende und energieeffiziente Kältelösungen geschärft.

Kaum jemand hätte an jenem Novembermorgen gedacht, dass der Tag der Beginn eines zehn Jahre langen Einsatzes für energieeffiziente Kälteanlagen bedeutete. In Zürich fand anlässlich des Kälteforums 2008 ein Workshop statt, an dem 150 Fachpersonen aus der Kältebranche die Köpfe zusammensteckten, um über Mittel und Wege für eine effizientere, kostensparende Kältetechnik nachzudenken. Eine der vielen guten Ideen an diesem Tag war die Lancierung einer Initiative, um es den Kältefachpersonen und Kältebetreibern einfacher zu machen, energieeffiziente Anlagen zu realisieren.
 
Nachdem der Gedanke geboren war, dauert es noch rund eineinhalb Jahre, bis in Olten der offizielle Startschuss zur Kampagne effiziente Kälte fiel. Vertreterinnen und Vertreter von über 30 Sponsoren aus der Privatwirtschaft, von Elektrizitätswerken und kantonalen Stellen sowie aus dem SVK, der ASF und der ATF sowie dem Bundesamt für Energie diskutierten die Eckpfeiler der neuen Kampagne. Das – bis heute noch gültige – Ziel war bald einmal formuliert: Die Kampagne effiziente Kälte will die Energieeffizienz in der Kältetechnik und bei Kältesystemen erhöhen und dadurch den Energieverbrauch senken. Von Anfang an verstand sich die «Kampagne Kälte» als eine branchenübergreifende Plattform, die den Betreibern von Kälteanlagen neutrale und praxisorientierte Lösungswege aufzeigt, die breit abgestützt sind.

Speerspitze der Gebäudetechnik

Die Kältetechnik ist mehr als andere «Disziplinen» für eine Vorreiterrolle im Bereich Energie- und Ressourcenschutz prädestiniert. Seit der industriellen Herstellung von Kälte im 19. Jahrhundert werden Kältemittel eingesetzt, die entweder giftig und «gefährlich» im Umgang sind, oder die das Potential haben, die Umwelt zu schädigen (in der Luft stabile Kältemittel). Der achtsame Umgang mit den Rohstoffen und ein Auge für das sichere Funktionieren der Kühlanlange sind dem Kältefachmann daher in die Wiege gelegt. So gehört die Kältetechnik heute zum unverzichtbaren Fundament unserer Wirtschaft, des modernen Lebens schlechthin. Dabei darf nicht vergessen gehen, dass Kältetechnik ein energie- (sprich: strom-) intensives «Geschäft» ist. In der Schweiz verbrauchen die Kälteanlagen der Industrie, des Gewerbes und der Dienstleistungsunternehmen schätzungsweise 11 000 GWh Strom pro Jahr. Dies entspricht rund 14 % des Elektrizitätsverbrauchs der Schweiz. Und dies mit einem enormen brachliegenden Effizienz-Potential von 20 % oder rund 300 Millionen Franken pro Jahr bei den Kälteanlagen. Die Experten orteten schon vor zehn Jahren die Ursachen für das unausgeschöpfte Potential vor allem im fehlenden Wissen über die Kosten und den Nutzen der verschiedenen Energieoptimierungs- und Sanierungsmassnahmen. Zudem wurde eine mangelnde Sensibilisierung für das Thema bei den Anlagebetreibern festgestellt. Und immer wieder wurden auch Schnittstellenprobleme zwischen dem Haustechnik-Planer und dem Kältefachmann bei der Klimakälte beobachtet.

Starke Kooperationen verbreiten die Botschaften

In der ersten Phase 2010 bis 2013 entwickelte die Kampagne effiziente Kälte gemeinsam mit den Fachleuten der Kältebranche die technischen Grundlagen und die Kommunikationsmittel (vgl. Übersicht «Werkzeugkasten für effiziente Kältelösungen»). Damit erfolgte in der zweiten Phase der Kampagne zwischen 2014 und 2018 die eigentliche Marktbearbeitung. So wurde zum Beispiel mit zwei Kampagnenwellen mit Inseraten und redaktionellen Beiträgen in den Fachmedien der Betreiber eine aktive Sensibilisierungsarbeit geleistet.
 
Ein weiterer Fokus der Kampagne lag in der Schulung der Kältefachleute. So organisierten SVK, ASF und ATF Kurse und Seminare, die auf Wunsch auch im Kältebetrieb stattfinden können. Die Kurse vermitteln nicht nur das Rüstzeug für effiziente Anlagen, sondern sind auch eine Voraussetzung, um für Kunden das Förderprogramm ProFrio2 in Anspruch zu nehmen (vgl. Kasten). Dieses (Bildungs-)Engagement wird der Schweizerische Verband für Kältetechnik auch künftig weiterführen.

Ebenfalls bewährt hat sich in den vergangenen zehn Jahren die intensive Zusammenarbeit mit den Branchenverbänden der Betreiber – vom Schweizerischen Bäcker-Confiseurmeister-Verband über Hotelleriesuisse, Gastrosuisse, dem Schweizer Fleisch-Fachverband und SVIT (Immobilienwirtschaft) bis hin zum Schweizer Detaillistenverband. Aber auch Mittler wie die EnAW oder die Fachverbände Suissetec, SWKI oder ProKlima waren von grosser Bedeutung, um die Inhalte der Kampagne den Fachpersonen und den Kältebetreibern nahe zu bringen. Dabei hat die Kampagne von Beginn an auch über die Grenzen der Schweiz hinausgestrahlt. Erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist zum Beispiel der regelmässige fachliche Austausch mit dem VDMA in Deutschland.

Gewappnet für die Zukunft

Die Kältebranche ist heute gut aufgestellt, um die Effizienz- und Optimierungsanforderungen zu bewältigen, die angesichts von Klimawandel und dem Beginn der unausweichlichen Dekarbonisierung an die gesamte Wirtschaft herangetragen werden. Dass man sich dabei nicht auf den Lorbeeren ausruhen kann, liegt auf der Hand. So bedeutet das Auslaufen der Kampagne effiziente Kälte denn auch nicht den Abschluss, sondern vielmehr der Beginn einer nächsten Phase der Bemühungen um sichere, umweltschonende Kälteanlagen, die auch bei den Betriebskosten auf die Bremse stehen. Vor diesem Hintergrund wollen das Bundesamt für Energie und der Schweizerische Verband für Kältetechnik auch im kommenden Jahr verschiedene Projekte im Bereich effiziente Kälte anstossen. Damit soll sichergesellt werden, dass sich die Kältebranche weiterhin an vorderster Front um Energie- und Ressourcenschonung kümmert. Und damit hat die Kampagne effiziente Kälte eines ihrer wohl wichtigsten Ziele erreicht.

*Marco von Wyl ist Geschäftsführer des SVK und zusammen mit Thomas Lang Projektleiter der Kampagne effiziente Kälte 2014 – 2018

Förderprogramme schaffen Anreize
Optimierungsmassnahmen, die sich nicht rasch genug rechnen, werden nicht realisiert. So übernehmen finanzielle Förderprogramme die Aufgabe von kleineren (oder auch grösseren) Stubsern, damit entsprechende Effizienzprojekte trotzdem realisiert werden. Im Bereich Kältetechnik gibt es aktuell zwei Förderprogramme, die Bauherrschaften bei neuen und bestehenden Kälteanlagen unterstützen. Das Programm «Klimafreundliche Kälte» der Stiftung KliK ist auf die Förderung von Kälteanlagen mit klimafreundlichen Kältemitteln ausgerichtet. Es schafft Anreize für den Ersatz bestehender Anlagen. Dazu werden Anlagenbesitzer bei einem freiwilligen und vorzeitigen Ersatz von Kälteanlagen mit klimaschädigenden Kältemitteln mit Förderbeiträgen unterstützt.

Förderprogramm für bestehende Anlagen
ProFrio2 anderseits ist ein Förderprogramm im Rahmen von ProKilowatt. Es richtet sich an Betreiber von Kälte- und Klimaanlagen – sowie an Kältefachunternehmen und -planer –, die bestehenden Kälte- und Klimaanlagen ab 5 kW (Kälte) optimieren oder energieeffiziente (Ersatz-) Kälteanlagen bauen wollen. Neuanlagen werden nicht gefördert. Die Höhe des Förderbeitrags ist abhängig von den Mehrkosten und den Stromeinsparungen im Vergleich zu einer alternativ zur Auswahl stehenden Kälteanlage. Bei der Optimierung einer bestehenden Anlage unterstützt ProFrio Massnahmen, die sich aus dem Kälte-Check der Kampagne effiziente Kälte ableiten: das Nachrüsten einer Bedarfsabtauung, der Einbau einer Verriegelung des Verdichters oder der Ersatz eines Verdichters durch ein Modell mit Frequenzumformer respektive eines thermostatischen durch ein elektrisches Expansionsventil. Die Anmeldung erfolgt über ein Kälteunternehmen, das seine Mitarbeitenden in Bezug auf effiziente Kälte beim SVK weitergebildet hat.

Leistungsgarantie ist Voraussetzung
Beide Förderprogramme setzen die «Leistungsgarantie Kälteanlagen» voraus, die vom Bundesamt für Energie BFE und von SVK, ASF und ATF getragen wird. Damit erhält die Bauherrschaft ein Werkzeug, das eine Vergleichbarkeit der Offerten ermöglicht. So muss in der Offerte aufgezeigt werden, was die Anlage während der ganzen Lebensdauer kostet. Sie stellt zudem sicher, dass die aktuellen und künftigen Bedürfnisse sorgfältig abgeklärt werden.

Weitere Informationen:
effizientekaelte.ch