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Einzige Fachzeitschrift für Industrie-, Gewerbe-, Klimakälte und Wärmepumpen

Tue Gutes und sprich darüber. Das gilt einmal im Jahr für deutsche Handelsunternehmen. Ende November 2018 trafen sich in Köln – dem Sitz des veranstaltenden EHI Retail Institute – knapp 200 Experten des Food- und Non-Food-Handels zum zweitägigen Kongress «Energiemanagement im Einzelhandel» und formulierten eine klare politische Forderung.

Beim Energiemanagementkongress des EHI geht es um Möglichkeiten, Kosten und CO2-Emissionen zu reduzieren. Betrachtet werden dafür die Beleuchtung, die Wärme-, Kälte- und Klimatechnik, aber auch die Gebäudehülle und die gesamte Gebäudetechnik. Ebenso stehen Wärmerückgewinnung oder das Energiemanagement im Zentrum umgesetzter Massnahmen. Nachdem das Programm in den vergangenen Jahren immer reichlich Platz für moderne Kühlkonzepte vorsah, standen beim letzten Mal allerdings Themen wie Elektromobiliät, Recruting, Beleuchtung sowie Geschäftsmodelle in Zeiten des Klimawandels im Fokus. Dennoch kam die Kältetechnik nicht zu kurz.

Durch jährliche Gross­investitionen konnte der Einzelhandel in den ­vergangenen Jahren seinen Strom­verbrauch stetig senken

Der neue Energiemonitor

Vorgestellt werden beim Kongress immer die aktuellen Ergebnisse des jährlich fortgeschriebenen «Energie-Monitors». An der Studie für 2018 haben sich 54 marktführende Handelsunternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz beteiligt. Das entspricht mehr als 32 000 Handelsfilialen und rund 52 Mio. m² Verkaufsfläche. Dem NonFood-Bereich sind dabei 48 % der Befragten, dem Food-Bereich 52 % zuzurechnen. Die Studie analysiert Massnahmen zur Energieoptimierung. Durch jährliche Grossinvestitionen, die sich nach Angaben des Handelsverband Deutschland HDE e.V. seit 2013 auf 500 Mio. Euro summieren, konnte der Einzelhandel in den vergangenen Jahren seinen Stromverbrauch stetig senken. Allerdings scheint ein Kipppunkt erreicht, denn 2018 wurden auf der Verkaufsfläche keine nennenswerten Verbrauchssenkungen mehr verbucht. So lag laut «Energie-Monitor 2018» im Food-Handel der durchschnittliche Verbrauch mit 321 kWh/m2 Verkaufsfläche nur kapp unterhalb 2017. Der Non-Food-Handel blieb mit durchschnittlich 104 kWh/m2 Verkaufsfläche sogar unverändert. Und weil Umlagenerhöhungen deutschen Strom verteuerten, stiegen 2018 für den Handel die Kosten im Stromeinkauf nach Jahren des Rückgangs wieder an.

Vom Online-Handel abheben

«Um sich vom Onlinehandel abzuheben und das Einkaufen im stationären Handel attraktiver zu machen, werden beispielsweise aufwendigere Beleuchtungskonzepte oder Gastronomieangebote implementiert. Der dadurch entstehende zusätzliche Energieverbrauch wird von den Händlern als eine der wesentlichen Ursachen für diese Entwicklung genannt», erklärt Benjamin Chini, Projektleiter Forschungsbereich Energiemanagement im EHI. Die deutschen Händler arbeiten aber weiter daran, ihren Verbrauch zu senken und investieren Millionenbeträge in unterschiedliche Massnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz. Durchschnittlich entfallen mit 45 % weiterhin die meisten Energieeffizienzinvestitionen des Food-Handels auf die Kältetechnik. Es folgt mit 30 % die Beleuchtung und 10 % Klima und Lüftung sowie die energetische Optimierung.

Lenkungsabgabe auf CO2

Vom EHI-Kooperationspartner stand der Abteilungsleiter Energie- und Umweltpolitik Lars Reimann auf dem Podium. Mit folgender Forderung schlug er Pflöcke in Richtung der deutschen Politik ein: «Wir haben seit 1990 50 % CO2-Einsparungen erreicht und unseren Beitrag zum Erreichen der deutschen Klimaschutzziele bis 2030 übererfüllt. Es ist jetzt dringend notwendig, den Klimaschutz neu auszurichten. Dazu gehört auch eine Steuer auf CO2-Emissionen.» Als vergleichbares Beispiel nannte bereits zuvor der Moderator des ersten Kongresstages, Prof. Jörg Probst, die Schweiz. «Dort wird seit 2008 eine Lenkungsabgabe für fossile Brennstoffe erhoben. Sie liegt seit 2018 bei CHF 96 pro Tonne CO2». Es ist also keine Steuer, und der Mechanismus dahinter ist so einfach wie genial. Denn von den Abgabeerträgen werden rund zwei Drittel wieder verbrauchsunabhängig via Krankenversicherer an die Bevölkerung und Wirtschaft zurückverteilt, landen also nicht im Staatssäckel sondern dienen weiter der Kaufkraft oder für Investitionen. Das letzte Drittel (max. CHF 450 Mio.) fliesst in das Gebäudeprogramm zur Förderung CO2-wirksamer Massnahmen wie energetischer Sanierungen oder erneuerbarer Energien. Weitere CHF. 25 Mio. kommen einem Technologiefonds zu.

DACH-Projekte ausgezeichnet

Neben Zahlen, Statistiken, Ideen und Lobbyarbeit braucht es aber immer auch gute Vorbilder. Drei besondere Projekte erhielten 2018 den Energiemanagement-Award des EHI, womit Handelsunternehmen für herausragende Konzepte zur Einsparung und zum Ressourcen schonenden Einsatz von Energie in den Verkaufsstellen ausgezeichnet werden. Je eines kam aus der Schweiz, Österreich und Deutschland.

Fenaco

In der Kategorie «Innovative Technologien und Konzepte» hat die Schweizer Fenaco Genossenschaft aus Bern mit ihrem innovativen Schulungskonzept «Fit für die Zukunft» gewonnen. Hierbei geht es insbesondere um einen Management-Ansatz, der umfassende Energieeffizienzschulungen über alle Hierarchiestufen hinweg vorsieht, um alle Mitarbeiter, inklusive der Geschäftsleitung, für dieses wichtige Thema zu sensibilisieren. «Für einen derart hohen Stellenwert, den die Thematik dadurch bekommt, konnten keine vergleichbaren Beispiele in der Branche gefunden werden», so die Jury. Die Einbindung aller Hierarchieebenen in das Schulungsprogramm, sowie die systematische Verpflichtung, nachhaltige Investitionen durchzuführen, wurden als besonders fortschrittlich und vorbildlich eingestuft. Hinzu kommt ein Entscheidungsmodell, das sogenannte Fenaco-Energietool (LEK). Bei bevorstehenden Investitionen werden durch das LEK konsequent die Investitions- und Lebenszykluskosten berücksichtigt, um nachhaltige Investitionsentscheidungen zu treffen.

Metro

Die Metro Cash & Carry Österreich GmbH wurde in der Kategorie «Pilotfilialen mit vorbildlicher Energieeffizienz/Nachhaltigkeit» ausgezeichnet. Das Pilotprojekt öffnete im Oktober 2017 im österreichischen St. Pölten. Es beinhaltet die Errichtung eines 0-Emissionsgrossmarktes, bei dem mit Holz, Glas oder Recyclingwaren grösstenteils nachhaltige Materialien verwendet wurden. Am Ende des Lebenszyklus können diese wiederverwertet oder zurückgebaut werden. Der Grossmarkt funktioniert ohne externe Wärmezufuhr und Klimaanlage mit einer Betonkernaktivierung und einem natürlichen Lüftungskonzept. Im Winter wird mit der Abwärme der transkritischen CO2-Kälteanlage und des Ejektors geheizt. Für den Strom sorgt eine 6000 m² grosse PV-Anlage mit einer Nennleistung von 1008 kWp. Durch alle realisierten Massnahmen liegt der Energiebedarf nur bei beeindruckenden 115 kWh/m2 Nettoverkaufsfläche. St. Pölten ist Teil der ZEUS-Initiative (ZERO Emission Unit Store) von Metro, welche den Bau von 0-Emissionsgrossmärkten zum Ziel hat und das Absenken aller CO2-Emissionen um 50 % bis 2030 vorsieht. Damit verpflichtet sich Metro selbst zur Nachhaltigkeit bei Neubauten.

Lidl

Mit dem ganzheitlichen Energiemanagement- und Nachhaltigkeitskonzept Eco2Next überzeugte Lidl die Jury und wurde in der Kategorie «Filialübergreifendes Energiemanagementkonzept» ausgezeichnet. Dieses berücksichtigt nicht nur energieeffiziente Gebäude- bzw. Kältetechnik mit natürlichen Kältemitteln in den Filialen. Auch die Logistik, die Mobilität der Mitarbeiter, Material- und Warenrecycling sowie der Weg der Kunden zum Einkauf werden optimiert. Zu dem ganzheitlichen Konzept zählen darüber hinaus intelligente Bezugs- und Speicherstrategien von Windstrom über das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie BMWi geförderte Projekt WindNODE, um das öffentliche Stromnetz zu entlasten. Alles in allem schätzt Lidl sein CO2-Emissionseinsparpotential durch die vorgenannten Massnahmen auf 32 000 t pro Jahr.

Mitmachen und Gewinnen

Mit dem EHI Energiemanagement Award (EMA) werden jährlich herausragende Energiemanagementkonzepte, Energieeffizienzprojekte, sowie innovative Technologien und Konzepte mit besonderer Klimaschutzrelevanz für den Einzelhandel herausgestellt. Die Kommunikation derartiger Projekte in der Branche soll helfen, Fortschritte im Sinne einer nachhaltigen, klimafreundlicheren Wirtschaftsweise zu beschleunigen. Der Preis richtet sich an Facheinzelhändler sowie an filialisierte Handelsunternehmen im gesamten deutschsprachigen Markt inklusive Österreich und der Schweiz, die erfolgreiche Konzepte zur Energieeinsparung bzw. ressourcenschonendem Einsatz von Energie in ihren Verkaufsstellen in diesen drei Kategorien realisiert haben:

1. Filialübergreifendes Energie­managementkonzept

In dieser Kategorie werden ganzheitliche, filialübergreifende Managementansätze ausgezeichnet.

2. Pilotfilialen mit vorbildlicher Energie­effizienz/Nachhaltigkeit

Gewürdigt wird die bestmögliche Integration von Energieeffizienzmassnahmen in
einer Handelsfiliale (herausragende Pilotprojekte).

3. Innovative Konzepte und Technologien

Den Preis erhalten Bewerber, die besonders innovative Technologien oder Konzepte mit ­Neuheitswert für die Handelsbranche bereits in der Praxis einsetzen – neuerdings auch mit ­innovativen Mobilitätskonzepten.

Darüber hinaus werden Dienstleister und Zulieferer – auch aus der Kälte-, Klima- und Wärmetechnik –  dazu ermutigt, gemeinsam mit bzw. im Auftrag von ihren Handelskunden Bewerbungen einzureichen unter energiekongress.com. Diese Preisträger kamen bislang alle aus der Schweiz:

2018 Fenaco Genossenschaft
2017 Genossenschaft Migros Ostschweiz
2015 Migros Luzern
2012 Coop Genossenschaft Schweiz
2010 Migros-Genossenschafts-Bund